Stillen & Ernährung

Wissenswertes für Stillende, Eltern und Interessierte

Muttermilch ist die natürliche Ernährung für Ihr Baby. Stillen wirkt sich nachweislich positiv auf die gesamte Entwicklung des Kindes aus. Auch für die Stillende sind gesundheitliche Vorteile nachgewiesen. Für einen optimalen Start ins Leben empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie viele internationale Fachgesellschaften, 6 Monate ausschließlich zu stillen. Nach der Beikosteinführung sollte bis zum 2. Geburtstag des Kindes weitergestillt werden, oder solange Sie und ihr Baby dies wünschen. In Deutschland werden nur ca. 14 % aller Säuglinge bis zum 6. Lebensmonat ausschließlich gestillt oder mit Muttermilch ernährt. Auch wenn nicht so lange oder ausschließlich gestillt wird: Jegliches Stillen oder Füttern von (handgewonnener oder abgepumpter) Frauenmilch ist wertvoll! Wir möchten Ihnen hier die Möglichkeit geben, sich mit der Thematik „Stillen und Ernährung“ vertraut zu machen. 

Hebammen, die Mitglied im Deutschen Hebammenverband sind, erhalten weitere Informationen im Mitgliederbereich.

Kontakt zur Bundesbeauftragten für Stillen und Ernährung

Finden Sie die Hebamme, die zu Ihnen passt!

Nach den Gründen für das vorzeitige Zufüttern von Formula oder frühzeitige Abstillen befragt, sagen die meisten Frauen, dass sie „zu wenig Milch“ oder „Schmerzen beim Stillen“ hatten. In den meisten Fällen lassen sich diese Probleme jedoch durch kompetente Begleitung durch eine Hebamme vermeiden oder behandeln. Aufklärung, aber auch ein unterstützendes soziales Umfeld und gesellschaftliche Wertschätzung stillender Familien tragen zum Stillerfolg bei. 

Wissenschaftliche Studien belegen, dass Frauen und Familien, die sich bereits in der Schwangerschaft über das Thema Stillen und Ernährung des Kindes informieren, weniger Probleme beim Stillen erleben. Deshalb melden Sie sich frühzeitig bei einer Hebamme zur Begleitung in der Schwangerschaft, im Wochenbett und der Stillzeit an. Besprechen Sie das Thema Stillen bereits in der Schwangerschaft mit Ihrer Hebamme.  

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Ammely logo

Als Unterstützung bei der Suche nach Ihrer Hebamme empfehlen wir, die kostenlose Hebammenplattform ammely zu nutzen. Wenn Sie keine Hebamme gefunden haben oder Ihre betreuende Hebamme nicht ausreichend unterstützen kann, dürfen Sie sich auch gern an die Beauftragten für Stillen und Ernährung Ihres Hebammenlandesverbands oder des Bundesverbandes wenden.

Stillen – eine aufregende neue Zeit beginnt

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Ihr Baby benötigt direkt nach seiner Geburt vor allem eines: Ihre unmittelbare Nähe. So fühlt es sich sicher und geborgen. Bis nach dem ersten  Anlegen an die Brust sollte der Hautkontakt nicht unterbrochen werden. Ihr Baby ist in den ersten zwei Lebensstunden nach seiner Geburt wach und interessiert an seiner neuen Umwelt. Nach einiger Zeit wird ihr Kind selbstständig nach Ihrer Brust suchen, sie finden und trinken – zum ersten Mal, ein ganz besonderer Moment. Die kostbare erste Milch, Kolostrum genannt, stabilisiert den Blutzucker Ihres Babys und wirkt einerseits beruhigend und andererseits aktivierend. Es schützt das Neugeborene bereits in kleinen Mengen vor Infektionen und ist genau auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Deshalb sollten auch Frauen, die eigentlich nicht stillen wollen, ihrem Baby in den ersten 24 Stunden Kolostrum an der Brust oder mit Hand entleert und mit einem Löffelchen anbieten. Dies ist wie ein Immunbooster für das Neugeborene. Die Abstilltablette kann auch 24 Stunden nach der Geburt eingenommen werden und so die weitere Milchproduktion wirkungsvoll hemmen.  

Stillen zu lernen, ist für die stillende Person und das Neugeborene eine aufregende Aufgabe, die gerade am Anfang durchaus anstrengend werden kann. Oftmals begegnet uns eine überzogene Romantisierung des Stillens, die empfindliche Brustwarzen, Schlafmangel und den Umgang mit der initialen Brustdrüsenschwellung (auch “Milcheinschuss” genannt) leider komplett ausblendet. Dadurch kann Druck entstehen, dem wir Wissen und fundierte Informationen entgegensetzen möchten. 

Unsere Empfehlung: Nehmen Sie sich in den ersten Tagen viel Zeit, um eine gute Anlegetechnik und die unterschiedlichen Stillpositionen einzuüben. Stillen sollte nach einem 20-30 sekündigen Ansaugziehen schmerzlos sein. Wenn dies nicht der Fall ist, ziehen Sie sofort eine Hebamme hinzu!

Genießen Sie diese Zeit, bleiben Sie zuversichtlich und wenden Sie sich bei Fragen aller Art vertrauensvoll an Ihre Hebamme!

Stillfreundliche Kommunen

Das Forschungsvorhaben Becoming Breastfeeding friendly hat 2019 Deutschland als moderat stillfreundlich eingestuft. In den daraus folgenden „Empfehlungen zur Stillförderung in Deutschland“ wird beschrieben, die Stillförderung vor Ort besser zu vernetzen und sichtbar zu machen, um so einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu professioneller Stillberatung und Selbsthilfegruppen zu ermöglichen.

Beauftragte der Landesverbände

Sollte in der Zeit der Betreuung einmal eine komplizierte Frage auftreten, kann sich Ihre Hebamme gern damit an die Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes beziehungsweise an die Beauftragten der Landesverbände wenden. Die Karte führt zu den 16 Landesverbänden, aus denen sich der DHV zusammensetzt.

Unsere FAQs zum Thema Stillen und Ernährung

Besonders, wenn zum ersten Mal gestillt oder Beikost eingeführt werden soll, stellen sich schnell eine Reihe von Fragen. Dass Sie Unsicherheit verspüren, ist ganz normal. Wir haben Ihnen hier die Antworten unserer Stillbeauftragten auf die am häufigsten an sie herangetragenen Fragen zum Thema zusammengestellt.

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Nein, ganz und gar nicht! Allerdings ist es sicher sinnvoll, Ihre Bedenken mit einer Hebamme zu besprechen. Häufig können im Gespräch mögliche Gründe für das Nicht-Gelingen gefunden werden und die Hebamme gibt Ihnen Tipps, wie Sie zu einem guten Start in die Stillbeziehung beitragen können.

Lediglich ein kurzer (20-30 Sekunden) Ansaugschmerz ist in den ersten zwei Wochen üblich. Jeder Schmerz, der länger andauert, ist ein Warnsignal. Wenden Sie sich in diesen Fällen unverzüglich an Ihre Hebamme und lassen Sie sich beim Stillen über die Schulter schauen. Wahrscheinlich kann durch leichte Korrekturen an der Anlegetechnik der Schmerz behoben werden. Wenn dies nicht der Fall ist, hat Ihre Hebamme sicher noch andere Tipps oder überweist Sie an eine Kollegin mit einer Zusatzausbildung in Stillberatung.

Es gibt nur sehr wenige Medikamente, die während des Stillens nicht eingenommen werden dürfen, und für die es keine stillverträglichen Alternativen gibt. Bei medizinischen Eingriffen mit Lokalanästhesie ist keine Unterbrechung notwendig. Auch bei einer Vollnarkose kann direkt nach dem Aufwachen wieder gestillt werden. Bei Untersuchungen, bei denen radioaktive Substanzen  eingesetzt werden, ist eine kurzfristige Unterbrechung des Stillens erforderlich. Zu diesen Themen berät Sie Ihre Hebamme in Kooperation mit Ihrer behandelnden Ärztin* und das Informationsportal embryotox.de.

Wenn Ihr Baby in den ersten vier bis sechs Wochen zwei- bis dreimal in 24 Stunden Stuhlgang und ca. sechsmal Urin absetzt, können Sie davon ausgehen, dass Ihr Baby genug Muttermilch erhält. Letztendlich ist aber entscheidend, dass Ihr Baby genügend Gewicht zunimmt. Wie viel Ihr Baby wiegen sollte und was Sie tun können, um die Gewichtszunahme Ihres Babys gegebenenfalls zu steigern, ist sehr individuell. Hier berät Sie Ihre Hebamme im Wochenbett und in der Stillzeit kompetent bis zum Abstillen oder, wenn Ihr Baby Muttermilchersatznahrung trinkt, bis zu seinem 9. Lebensmonat.

Bei dieser Frage kommt es darauf an, wie alt Ihr Baby ist. Wenn das Baby von Anfang an nicht gern an der Brust trinkt, kann es z. B. an Verspannungen oder Besonderheiten in seinem Mund oder einem momentan noch nicht so üppigen Milchangebot liegen. Bei Abwehr beim Stillen in jedem Alter suchen Sie sich gern bei Ihrer Hebamme Rat und Hilfe.

In Studien konnte nicht belegt werden, dass es einzelne Nahrungsmittel gibt, die in die Muttermilch übergehen und bei (allen) Babys zu Bauchschmerzen oder wunden Popos führen. Deshalb ist man davon abgerückt, generelle Nahrungsverbote in der Stillzeit auszusprechen. Es wird auch in der Stillzeit eine abwechslungs- und nährstoffreiche Ernährung empfohlen. Wenn Ihr Baby Blähungen oder einen wunden Popo haben sollte, kann Ihre Hebamme Sie beraten, welche Maßnahmen zur Prävention oder Linderung ergriffen werden könnten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, sechs Monate ausschließlich zu stillen und unter Einführung geeigneter Beikost mindestens bis zum 2. Geburtstag weiter zu stillen. In der Vergangenheit wurde oft empfohlen, sofort nach dem vierten Lebensmonat mit Beikost zu beginnen. Neuere Studien belegen aber die Vorteile einer längeren Ernährung mit Muttermilch, weshalb mittlerweile viele führende Fachgesellschaften empfehlen, erst im 7. Lebensmonat mit der Beikost zu beginnen. Aber neben diesen generellen Empfehlungen sind natürlich auch Ihre individuelle Situation und die Reifezeichen Ihres Kindes entscheidend für die Einführung der Beikost. Ihre Hebamme begleitet Sie gern auch in dieser wichtigen Entwicklungsphase.

Sie sollten in der Stillzeit auf Alkohol, Nikotin und andere psychoaktive Substanzen komplett verzichten, da sie in die Muttermilch übergehen. Wenn Sie auf diese Substanzen nicht verzichten können oder wollen, besprechen Sie Ihren Konsum mit Ihrer Hebamme. In einer vertrauensvollen,  individuellen Beratung können Sie gemeinsam eine gute Lösung finden.

www.still-lexikon.de
Infoportal rund ums Stillen: Umfangreiche Seite mit sehr guten, aktuellen Informationen rund um das Stillen

www.babyfreundlich.org/eltern.html
Eine Initiative von WHO und Unicef: Hier finden Sie eine Liste der von der WHO/Unicef-Initiative zertifizierten Krankenhäuser, sowie viele Infos rund um das Stillen.

www.embryotox.de/arzneimittel
Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit: Das Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie gibt auf der Website Auskunft darüber, welche Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden können.

www.stillfoerderung.ch
Stillförderung Schweiz. Informationsmaterial über das Stillen in 12 Sprachen

Kurzfilm „Breast is best“ in 14 Sprachen
https://med.stanford.edu/newborns/professional-education/breastfeeding.html
Universität Stanford – Getting started with breastfeeding: Viele englischsprachige Videos über die Praxis des Stillen

www.lalecheliga.de
Die La Leche Liga ist eine weltweite Organisation von Müttern, die selbst stillen oder gestillt haben. Sie bietet Stillgruppen, Stillberatung und zahlreiche Veröffentlichungen für Mütter und Fachfrauen (zum Teil auch in Englisch) an.

www.afs-stillen.de
Die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS): Die AFS bietet Stillgruppen, Stillberaterinnen, eine Stillhotline und zahlreiche Veröffentlichungen zu unterschiedlichen Stillthemen.

Gut belesen: Unsere Lektüre-Tipps

Es gibt viele Möglichkeiten, sich auch über das Internet hinaus zum Thema „Stillen und Ernährung“ zu informieren. Wir haben Ihnen hier wichtige Broschüren und Flyer zusammengestellt. Sollten Sie darüber hinaus noch Fragen haben, können Sie sich jederzeit entweder an Ihre Hebamme oder auch gern an die Stillbeauftragte des Deutschen Hebammenverbandes wenden. 

Die
Weltstillwoche

In Deutschland findet jedes Jahr in der 40. Kalenderwoche die Weltstillwoche statt – stellvertretend für das Ende einer Schwangerschaft und dem damit einhergehenden Beginn der Stillbeziehung zwischen Mutter und Neugeborenem. Als größte gemeinsame Kampagne aller das Stillen fördernder Organisationen, wird die Weltstillwoche seit 1991 jährlich in über 120 Ländern begangen. Im Rahmen verschiedener Aktionen wird dabei auf die Notwendigkeit, die Förderung und den Schutz des Stillens aufmerksam gemacht.

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