Im November 2025 ist der neue Hebammenhilfevertrag in Kraft getreten. Nach einem Jahr mit dem Vertrag zieht der Deutsche Hebammenverband eine kritische Bilanz. Viele Hebammen sind in ihrem Berufsalltag mit Schwierigkeiten in der Umsetzung des Vertrages konfrontiert, die Versorgung mit Hebammenhilfe in Deutschland hat sich durch den Vertrag nicht gebessert.  

Der DHV teilt die Einschätzung des GKV-Spitzenverbandes, der in dieser Woche eine durchweg positive Bilanz zog, nicht. Seine Kernaussagen: Die Eins-zu-eins-Betreuung habe sich verdoppelt, die höhere Vergütung halte Hebammen im Beruf, die Bürokratie sei gesunken und die Versorgungsdichte gestiegen, können wir nicht bestätigen. 

Was wir anerkennen 

Fakt ist: Die Hebammen haben ihre Arbeit in kurzer Zeit grundlegend umgestellt. Dass die Versorgung trotz dieser Umstellung weiterläuft, ist ihr Verdienst. Wir bestätigen, dass für einige Tätigkeitsfelder die Vergütung verbessert wurde.  

Wo wir widersprechen 

Es ist aus Sicht des DHV nicht nachvollziehbar, auf welcher Datengrundlage mehrere Aussagen des GKV-Spitzenverbands beruhen. 

Das “Mehr Geld” kommt nicht bei allen an. Eine höhere Stundenvergütung sagt wenig über das tatsächliche Einkommen der einzelnen Hebamme aus. Nach Angaben von Abrechnungsdienstleistern verdienen Beleghebammen trotz Eins-zu-eins-Zuschlag rund 15 Prozent weniger als vor dem neuen Vertrag. Kurse werden wegen der Abrechnungsbestimmungen vielerorts nicht mehr angeboten. 

Erfahrung geht verloren. Erfahrene Belegteams haben ihre Tätigkeit aufgegeben. Nach unseren Beobachtungen arbeitet ein Fünftel bis ein Viertel der Beleghebammen nicht mehr als solche. Der Anstieg der Begleit-Beleghebammen ist erfreulich. Er zeigt aber vor allem eine Verschiebung innerhalb des Berufs und keine zusätzlichen Hebammen. 

Mehr Hebammen pro Geburt bedeutet nicht automatisch bessere Versorgung. Die genannte Versorgungsdichte ist eine Rechengröße, die vor allem aus sinkenden Geburtenzahlen entsteht. Da es in Deutschland keine Registrierung von Hebammen gibt, wird nicht erfasst, wie viele Kolleginnen ihr Angebot eingeschränkt oder ihr Tätigkeitsfeld gewechselt haben. Ob der Vertrag Hebammen im Beruf hält, lässt sich deshalb heute nicht seriös beantworten. Solche Effekte werden erst mit deutlicher Verzögerung sichtbar. 

Regionale Unterschiede ernst nehmen 

Die Lage unterscheidet sich von Region zu Region erheblich. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern sind die Geburtenzahlen stark eingebrochen. Dort wird es für Hebammen noch schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten. Wo Beleghebammen wegfallen und geburtshilfliche Abteilungen schließen, verschlechtert sich die Versorgung für Frauen spürbar, ganz gleich was eine bundesweite Durchschnittszahl aussagt. 

Was jetzt nötig ist 

Wir wollen den Hebammenhilfevertrag gemeinsam weiterentwickeln. Dafür braucht es: 

  • eine offene Datengrundlage: Der GKV-Spitzenverband sollte seine Zahlen vollständig vorlegen, auch zur Ausgabenentwicklung der Krankenkassen. 
  • eine gemeinsame Evaluation, die Einkommen, Tätigkeitsfelder und regionale Versorgung der Hebammen einbezieht. 
  • eine Registrierung von Hebammen, damit die Versorgungslage endlich verlässlich beschrieben werden kann. 
  • Anreize, mit denen Hebammen in allen Tätigkeitsfeldern wirtschaftlich arbeiten können: im Kreißsaal ebenso wie in Vorsorge, Kursen und Wochenbett-Betreuung. 

An der Seite der Kolleginnen 

Der neue Vertrag hat den Hebammen eine enorme Umstellung abverlangt. Viele haben sie mit großem Einsatz bewältigt, manche haben dafür Einschnitte hinnehmen müssen. Der DHV nimmt ihre Erfahrungen ernst und bringt sie in die weiteren Gespräche ein.