Auch die gynäkologische Fachgesellschaft sollte den Blick nach vorn richten.

Mit Verwunderung reagiert der Deutsche Hebammenverband (DHV) auf die Behauptung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), dass die Überführung der Hebammenausbildung an die Hochschulen den Hebammenmangel verschärfen würde. Dies wurde von Seiten einiger Funktionäre der Frauenärzteschaft geäußert, nachdem das Bundesgesundheitsministerium (BMG) einen längst überfälligen Referentenentwurf zur Reform der Hebammenausbildung vorgelegt hat. Seit letzter Woche führt nun die Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Ärztinnen und Ärzte in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe gemeinsam mit der DGGG eine fragwürdig konzipierte „Umfrage“ unter Hebammen in Kreißsälen durch. Die erhofften Antworten sollen offenbar dazu dienen, die auch von der EU längst beschlossene Überführung der Hebammenausbildung an die Hochschulen zu diskreditieren.

„Wir Hebammen stehen für den Fortschritt in der Geburtshilfe, nicht für den Rückschritt“, betont Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. „Wer sich heute gegen die Akademisierung der Hebammenausbildung stellt, hat offensichtlich nicht mitbekommen, wie sich das Berufsbild der Hebammen in den letzten 30 Jahren verändert hat.“ Alle EU-Mitgliedstaaten haben bereits die gemeinsame Richtlinie zur Akademisierung der Hebammenausbildung umgesetzt – bis auf Deutschland. „Die Weigerung von einigen Ärztefunktionären, den Hebammenberuf durch die künftige Ausbildung im Rahmen eines dualen Studiums auf ein höheres Niveau zu heben und zukunftssicher zu gestalten, ist daher unverständlich. Natürlich führt das neue Gesetz zu einem Umbruch und möglicherweise auch zu Ängsten bei den ärztlichen Kolleginnen und Kollegen. Aber auf alle diese Fragen gibt der Gesetzesentwurf des BMG tragfähige Antworten“, so Ulrike Geppert-Orthofer.

„Die Akademisierung der Hebammenausbildung entwertet in keiner Weise die Ausbildung der heute tätigen Hebammen mit berufsschulischem Abschluss, wie manche glauben machen wollen“, betont Yvonne Bovermann, Beirätin für den Bildungsbereich im DHV. „Die Ausbildung der zukünftigen Hebammen wird auf einem höheren Niveau stattfinden, was sie besser auf die gewandelten und gestiegenen Anforderungen des Berufes vorbereitet.“ Zudem verbinde das vom BMG vorgelegte Konzept eines dualen Studiums einen erheblich verbesserten Praxisteil mit einer guten theoretischen und wissenschaftlichen Hochschulausbildung. Die Finanzierung des dualen Studiums einschließlich eines Ausbildungsentgelts sei ebenfalls gesichert. „Wir arbeiten mit Blick auf das 21. Jahrhundert, und so soll auch die Ausbildung sein“, so Yvonne Bovermann.

In anderen europäischen Gesundheitssystemen wurde der Umbruch in der Hebammenausbildung erfolgreich gemeistert. Im Zuge dessen konnte eine partnerschaftliche Zusammenarbeit der verschiedenen Gesundheitsberufe auf Augenhöhe entwickelt werden – wie sie auch in Deutschland nötig ist. Die Verbesserungen in der theoretischen und praktischen Ausbildung der Hebammen werden den Frauen und Familien zu Gute kommen. Der Deutsche Hebammenverband wird die Neugestaltung der Hebammenausbildung mit allen Kräften unterstützen. Die Verbände der Gynäkologinnen und Gynäkologen sind herzlich eingeladen, daran künftig wieder konstruktiv mitzuarbeiten.

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Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) ist der größte Hebammenberufsverband in Deutschland und setzt sich aus 16 Landesverbänden mit über 20.000 Mitgliedern zusammen. Er vertritt die Interessen aller Hebammen. Im DHV sind angestellte und freiberufliche Hebammen, Lehrerinnen für Hebammenwesen, Hebammenwissenschaftlerinnen, Hebammen in den Frühen Hilfen, hebammengeleitete Einrichtungen sowie Hebammenschülerinnen und Studierende vertreten. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit ein zentrales Anliegen des Verbandes. Als Mitglied in der European Midwives Association (EMA), im Network of European Midwifery Regulators (NEMIR) und in der International Confederation of Midwives (ICM) setzt er sich auch auf europäischer und internationaler Ebene für die Stärkung der Hebammenarbeit sowie die Gesundheit von Frauen und ihren Familien ein.