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Berufspolitik

Der Deutsche Hebammenverband mischt sich ein. Lesen Sie unsere Standpunkte und Stellungnahmen!

Haftpflichterhöhung für Hebammen ab Juli 2014

Noch kein Ausgleich für freiberufliche Hebammen

Foto: Andreas Lohmann

Eine erneute Steigerung der Haftpflichtprämie um 20 Prozent von 4.242 Euro auf aktuell 5.091 Euro ab dem 01. Juli 2014 stellt viele Hebammen vor die Entscheidung, ob sie sich die Ausübung ihres Berufes überhaupt noch leisten können. „Dies ist ein schwarzer Tag nicht nur für Hebammen, sondern auch für werdende Mütter und Familien“, so Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied des Deutschen Hebammenverbandes. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband über den Ausgleich der Mehrkosten für Hebammen bedeutet auch der aktuell beschlossene sogenannte Sicherstellungszuschlag keine langfristige Lösung. Über dessen Ausgestaltung beraten Hebammenverbände und Kassen am Donnerstag.

Ab dem 1.7.2014 zahlen alle freiberuflich tätigen Hebammen 20 Prozent mehr für ihre Haftpflicht. Für in der Geburtshilfe tätige Hebammen steigt die jährliche Prämie damit auf 5.091 Euro. Zwar sollten Hebammen dafür theoretisch eine Ausgleichzahlungen der Krankenkassen erhalten, diese kommen jedoch in erster Linie nur den wenigen Hebammen mit vielen Geburten zugute. „Die erneute Erhöhung der Haftpflichtprämie um 20 Prozent stellt viele Hebammen vor eine existenzielle Frage“, beurteilt Katharina Jeschke die Situation.

„Es steht außer Frage, dass sich dadurch der Hebammenmangel in Deutschland verschärft. Wir können die fehlende Verhandlungsbereitschaft des GKV-Spitzenverbandes und das Scheitern der Verhandlungen im Mai vor diesem Hintergrund nicht verstehen: Denn dieses auf den ersten Blick individuelle Problem der Bezahlbarkeit einer Haftpflichtversicherung hat gesamtgesellschaft-liche Auswirkungen für alle Frauen und Familien.“ Viele Frauen finden keine Hebamme mehr, da seit Jahren immer mehr Hebammen aufgrund überproportional steigender Haftpflichtprämien aus der Geburtshilfe aussteigen.

Die Kosten für die Berufshaftpflichtversicherung der Hebammen hatten sich in den vergangenen Jahren bereits verzehnfacht. Nachdem der GKV-Spitzenverband im Mai keinen realistischen Vorschlag für den Ausgleich der Mehrbelastungen für alle freiberuflich tätigen Hebammen vorlegte, blieb den Hebammenverbänden keine andere Wahl als die Schiedsstelle anzurufen. Das Schiedsstellenverfahren verzögert nun den seit Jahren gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleich der Haftpflichterhöhungen durch die Krankenkassen. In der Folge sind nicht nur Hebammen mit wenigen Geburten, sondern alle freiberuflich geburtshilflich tätigen Hebammen betroffen. Sie tragen die Kosten der Haftpflichtprämien-erhöhung nun bis auf weiteres alleine. Eine Entscheidung der Schiedsstelle wird erst im Herbst erwartet.

Über die Ausgestaltung des Sicherstellungzuschlags und die Übergangslösung bis zu dessen Start im Juli 2015 nehmen die Hebammenverbände am kommenden Donnerstag, am 3.7.2014, die Verhandlungen mit den Krankenkassen auf. Ein Ergebnis soll bis September vorliegen und rückwirkend ab Juli einen Zuschlag für die Hebammen, die wenige Geburten im Jahr durchführen, bieten. Dieser Zuschlag hilft nicht allen freiberuflichen Hebammen – außen vor bleiben die Beleghebammen, die im Schichtdienst in Kliniken arbeiten und die Hebammen die ausschließlich in der Schwangerschaft und im Wochenbett arbeiten.


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Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) ist der größte Hebammenberufsverband in Deutschland und setzt sich aus 16 Landesverbänden mit über 18.300 Mitgliedern zusammen. Er vertritt die Interessen aller Hebammen. Im DHV sind angestellte und freiberufliche Hebammen, Lehrerinnen für Hebammenwesen, Hebammenwissenschaftlerinnen, Familienhebammen, hebammengeleitete Einrichtungen sowie Hebammenschülerinnen und Studierende vertreten. Über die berufliche Interessenvertretung hinaus ist eine gute medizinische und soziale Betreuung der Frauen und ihrer Kinder vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit ein zentrales Anliegen des Verbandes. Als Mitglied in der European Midwives Association (EMA), im Network of European Midwifery Regulators (NEMIR) und in der International Confederation of Midwives (ICM) setzt er sich auch auf europäischer und internationaler Ebene für die Stärkung der Hebammenarbeit sowie die Gesundheit von Frauen und ihren Familien ein.

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Deutscher Hebammenverband e.V.
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Zuletzt geändert am 02.11.2020